Dienstag, 28. Februar 2017

Geschichten im Hotel VIII - Handfeste Argumente

Da bin ich wieder - diesmal mit einer Geschichte, passend zu Fasching. Sie passierte nämlich am Rosenmontag - es muss etwas über 30 Jahre her sein, denn ich kann mich genau erinnern, habe aber nichts verstanden (heute ist es anders herum). Jedenfalls kennen das bestimmt beinahe alle Kollegen: Küche und Service sind nicht die natürlichen Freunde in unserer Hotelwelt. Ich denke, dass das daran liegt, dass beide jeweils Ansprüche an den anderen haben, ohne aber weisungsbefugt zu sein. Das führt natürlich zu Frustration, weil was soll man schon tun, wenn der andere die Hinweise nicht annimmt? Oft wird eine gut gemeinte Bemerkung als Frechheit und Einmischung
empfunden und so weiter. Als wir vor ein paar Jahren eine Fest mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern veranstaltet haben, haben wir gleich nach den besten Geschichten gefragt. Ein schriftlicher Beitrag bezog sich nur darauf, wie Mitarbeiter der Küche Mitarbeitern im Service das Leben schwer gemacht haben. So wurde zum Beispiel ein Fünf-Mark Stück auf den herd gelegt, bis es schön heiss war. Dann wurde es auf den Pass gelegt. Wehe dem, der seine Finger nach dem Eigentum anderer ausstreckte - das gab verbrannte Finger. Für besonders beliebte Kollegen wurde der fertige Teller an einer Seite auch etwas "vorgewärmt" und dann handlich hingestellt. Kleine Boshaftigkeiten.
Eine solche Auseinandersetzung eskalierte jedenfalls an diesem Rosenmontag vor über 30 Jahren. Sie können sich vorstellen: Bude voll, erwartungsvolle Gäste, alle Mann in Bereitschaft. Der Küchenchef,  ein umfangreicher Mann mit Händen wie Hauptspeisetellern, keinem Hals und rotem Kopf stritt mit dem Oberkellner, einem kleinen, schlanken Mann mit borstigen Haaren und Brille. Die beiden schrien einander an, so dass auch die Gäste am entferntesten Platz noch etwas vom Streit hatten und die Karnevalsstimmung noch höher kochte als sonst immer. Irgendwann waren der Worte genug gewechselt und der Küchenchef verließ seine Küche. Die Fäuste flogen. Der ungleiche Kampf endete ebenso schnell, wie vorhersehbar - mit einem blutenden Oberkellner am Boden. Ich nehme an, dass der Abend noch irgendwie bestritten wurde - jedenfalls waren für diesen Tag die Fronten zwischen Küche und Service geklärt.
Einen fröhlichen Faschingsdienstag und viele, brave Gäste wünscht
Armin Gross

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